Eine Mauer mitten durch ein Dorf – was heute kaum vorstellbar klingt, war in Mödlareuth jahrzehntelang Realität. Der kleine Ort an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen wurde deshalb während der deutschen Teilung „Little Berlin“ genannt – von den US-Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Dorf stationiert waren. Die Bewohner überstanden schwierige Zeiten. Wie muss sich das angefühlt haben, durch eine Betonmauer von seinen Nachbarn und Verwandten getrennt zu sein? Schülerinnen und Schüler der Geschichtsleistungskurse der Jahrgangsstufen 11 und 12 besuchten gemeinsam mit Herr Hoberg von der Konrad-Adenauer-Stiftung/Politisches Bildungsforum Sachsen, der wir diese besondere Geschichtsstunde verdanken, mit Frau Seichter und Herr Rülke das kleine Dorf.
Am 7. Oktober 2026 startete unsere Exkursion pünktlich um 8:20 Uhr mit dem Bus. Schon bei der Ankunft fiel die weiße Mauer mitten im Ort ins Auge. Am Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth begann das Programm. Zunächst erfuhren wir in einem Vortrag mehr über die Geschichte und die Besonderheiten des Ortes. Seit 1810 gehört die südliche Hälfte Mödlareuths zu Bayern. Zum Problem geriet diese Grenze, ein kleiner Bach, allerdings erst während der deutschen Teilung: 1955 errichtete der SED-Staat einen Stacheldrahtzaun, der die Flucht der DDR-Bürger verhindern sollte. Ab 1966 trennte schließlich eine Betonmauer das Dorf in Ost und West. Wir erfuhren, wie sich die Grenzanlagen im Laufe der Zeit veränderten. Wir betrachteten sogar eine Selbstschussanlage aus der Nähe, hielten sie in der Hand und hörten, wie sie funktioniert hatte.
Um 10:45 Uhr ging es am Tannbach weiter, der die Grenze markiert. Dort besichtigten wir die Reste der Grenzmauer. Ursprünglich war sie in Mödlareuth rund 600 Meter lang, heute sind davon noch etwa 100 Meter erhalten. Die Führung begleitete uns entlang der ehemaligen Grenze und an der Untermühle vorbei. Dort gelang es 1973 einem Mann, die Grenze zu überwinden. Das war der einzige erfolgreiche Fluchtversuch im Dorf Mödlareuth. Zum Abschluss der Führung inspizierten wir den Nachbau der damaligen Sperrzone: mit Grenzanlagen, wie sie um 1989 aussahen, darunter Beobachtungstürme, Sperrzäune und Signalanlagen. Nach der Führung ging es zum Mittagessen. Dieses spendierte die Konrad-Adenauer-Stiftung – dafür vielen Dank! Anschließend blieb noch Zeit, das Museum auf eigene Faust zu erkunden. Dort konnten wir unter anderem Interviews mit Menschen hören, die damals in Mödlareuth gelebt hatten. Außerdem erfuhren wir mehr über Fluchtversuche aus der DDR. Die persönlichen Berichte verdeutlichten, welche Herausforderungen und Gefahren mit jedem Fluchtversuch verbunden waren.
Um 13:30 Uhr folgte aus unserer Sicht der spannendste Teil des Tages: Wir durften Günther Wetzel, einen Zeitzeugen kennenlernen, dem die wohl bekannteste und spektakulärste Flucht aus der DDR gelungen war. Im Jahr 1979 flohen er und sein Freund Peter Strelzyk – mit den Frauen und Kindern – in einem selbst gebauten Heißluftballon aus der DDR in den Westen. Er erzählte uns ausführlich seine Geschichte: von der ersten Idee über die aufwendigen Vorbereitungen bis hin zur geglückten Flucht. Er verwies auf seine Webseite www.ballonflucht.de, auf der er über seine Erlebnisse ausführlich berichtet, um Missverständnisse auszuräumen.
Im Anschluss durften wir Fragen stellen. Die zwei Stunden des Zeitzeugengesprächs vergingen wie im Flug. Besonders spannend war es, Erlebnisse direkt von jemandem zu hören, der die deutsche Teilung selbst erlebt hatte. Dadurch wirkte die Geschichte viel näher und mitreißender als beim Lesen im Geschichtsbuch. Nach dem Gespräch bestiegen wir den Bus. Am Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Zwickau ging ein langer, aber eindrucksvoller Schultag zu Ende, an dem wir Geschichte direkt vor Ort „erleben“ konnten.
Thaddäus Holland-Moritz & Linus Müller
Wir danken der Konrad-Adenauer-Stiftung/Politisches Bildungsforum Sachsen für diesen besonderen Schultag.
Fotos: D. Seichter




